Viktor and Zürich University… where is the love?

Posted by Viktor at 2:03 am
Categories: Angry Talk, Fun

So I meant to submit my online application to that economics graduate school programme in Zürich today… but it seems my last-minute mentality isn’t getting me anywhere with the Swiss. Sure, the deadline is today:

But unfortunately it’s not actually possible to submit that thing today:

Switching off their servers on the date of admission? What’s wrong with those people? Damn friggtards (that’s “retards”+”fuck”+some modesty).

Or, in German: Wenn ihr mich nicht haben wollt, dann könnt ihr mich gerne haben. Friggtards (yes, I think it works in German, too).

(to conclude: I guess I won’t be in Zürich next year then)



Gefühlte Armut

Posted by Stefan at 2:17 am
Categories: Angry Talk, Deutschland

Es gibt Dinge in Deutschland, die sind so unglaublich, dass sie einem echt die Socken ausziehen, so abstrus dass man eigentlich aus Mitleid nur noch wehleidig den Kopf schütteln kann. Und das beste: Es wundert, abgesehen von gefühlten 10%, eigentlich niemanden.

Worum geht’s? Diesmal um einen Artikel auf SPIEGEL Online einer namentlich nicht genannten deutschen Studentin. Jene Studentin, sie nennt sich “Julia”, glaubt der Menschheit mit ihrer anonymen Kampfschrift “Meine Armut kotzt mich an” einen Gefallen zu tun. Schon der Untertitel lässt Böses ahnen:

“Clubs, Shoppen, Sonntagsbrunch: Das Studentenleben kann so schön sein. Wenn das Geld reicht. Trotz zweier Jobs kann die Berliner Studentin Julia, 25, nicht mithalten. Ihr Kontostand sagt Njet – und bei Unterschichtenwitzen lacht sie nur gequält mit. Ein zorniger Zwischenruf.”

Kurzversion:
Julia erläutert ihre Ausgangslage, dass Sie Ihrer Mutter (Hartz-IV-Empfängerin) das Kindergeld spenden muss damit sie über die Runden kommt und dass ihr Vater, ausgebüchst und untergetaucht, ihr keinen Unterhalt zahlt. Der Leser nickt, “böser Vater, böser Staat”. So einfach ist die Welt. Dass die Autorin vor jenem Hintergrund nicht als Motivationstrainerin arbeiten sollte erscheint logisch. Aber jetzt kommt’s:

Im Prinzip stellt sie sich so dar als würde sie am Existenzminimum rumkrebsen, dass es ihr peinlich ist, zur Unterschicht zu gehören. Dass sie versucht ihr Leben zu verstecken. Existenzminimum? Unterschicht? “Moment mal”, denkt sich der verwirrte Leser, denn in gleichem Atemzug fallen auch folgende Dinge, die nicht so ganz ins Bild der Unterschicht passen.

  • Julia geht abends aus, ordert “locker wie gewohnt zwei Wodka-Kirsch”
  • Julia geht “bei Aldi und Netto einkaufen, viele Produkte von Plus und Lidl sind einfach zu teuer”
  • Die Einnahmen ihres Minijobs gehen für die 300 Euro Miete ihrer 32 Quadratmeter drauf
  • Ihre “Klamotten sind fast alle markenlos. Obwohl ich gern Adidas, Bench und Diesel bei mir im Schrank hängen hätte”
  • Julia würde viel lieber ihre “Neigungen ausleben” und sich “von dem ganzen Arbeits- und Sozialstress mal erholen, eine Woche Urlaub machen. Keine Billig-Pauschaltour, sondern vielleicht nach Skandinavien, Wellness, Sauna und so weiter. Ohne dabei auf den Preis schauen zu müssen.”
  • Beim Zahnarzt hat Julia fast 400 Euro für eine Krone bezahlen müssen – ein Monat Arbeit.
  • Ikea kann Julia schon “lange nicht mehr ertragen”

Sich vor dem Hintergrund als Unterschicht zu sehen verdient wirklich Respekt (”Ich versuche es bloß zu verstecken. Es ist mir peinlich!”). “Existenzminimum klingt anders” könnte man jetzt denken, klingt es doch eher nach normalem Studentenleben. Die Frage was kostenloses Studium eigentlich für ein Luxus ist (und vor allem was für eine Investition, die ihr (bei korrekter Anwendung) später viel Geld bescheren wird), hat sich Julia wohl noch nicht gestellt. Aber natürlich wettert sie gegen den Staat, beschwert sich über das abgestellte Bafög.

Wenn man eins der zentralen Probleme in Deutschland aufzeigen möchte legt man am Besten jenen Artikel vor. Man würde wohl als Feedback bekommen welch sensationelle Studienbedingungen Deutschland doch bietet, dass man in Deutschland als Student eine 32qm-Wohnung mit IKEA Möbeln beziehen kann und nebenbei noch abends ausgehen kann. Dass sich aber darüber jemand derart beschwert, das würde, außer in Deutschland, wohl niemand verstehen.

Entsprechend fielen natürlich auch die Kommentare im SPIEGEL Online Forum aus. Mein persönliches Highlight:

“In meiner Studienzeit hatten die meisten meiner Freunde garantiert keine Wohnung mit 32m2 für 300 Euro und zwei Wodka-Kirsch hätten wohl fasten in der nächsten Woche zur folge gehabt. Spaß hatten wir trotzdem jede Menge mit den richtigen Freunden müssen es keine Clubs mit 20 Euro Eintritt sein und Sonntags Brunchen in der WG macht jede menge Spaß und ist nicht teuer. Auch Urlaub kann man günstig machen, aber sicher ist dass dann kein Wellnessurlaub für gestresste Hausfrauen.
Also heul nicht, vielen andern gehts genauso und das is gut so. Wenn du ohne Geld mit deinen Freunden keinen Spaß hast bist du mit den falschen Leuten unterwegs.”

Oder noch besser:

“Ich glaube nicht, dass nur ein Staat auf dieser Welt eine Spassgarantie in seiner Verfassung stehen hat.”

Ich kann mich nur anschließen. Oder es formulieren wie man in meiner Heimat dazu sagen würde: “Ey, die Alte hat doch ne Schraube locker”. ;)



How Chinese opera “died out” on Xinhua

Posted by Viktor at 12:07 am
Categories: Angry Talk, China

China will redouble efforts to preserve its cultural heritage in arts and architecture. About 100 forms of Chinese opera, for instance, have died out in the past 60 years.

These “news” appeared in Foreign Policy’s (usually most helpful and informative) weekly China newsletter. It was reproduced from Xinhua, the official Chinese news agency. The question on my mind is: how many lazy journalists did it take to introduce these “news” to an American audience? To see what I mean, consider Jung Chang’s account of the fate of Chinese opera on the mainland during the “Cultural Revolution”:

‘Relaxation’ had become an obsolete concept: book, paintings, musical instruments, sports, cards, chess, teahouses, bars — all had disappeared. The parks were desolate, vandalized wastelands in which the flowers and the grass had been uprooted and the tame birds and goldfish killed. Films, plays, and concerts had all been banned: Mme Mao [Chairman Mao's wife] had cleared the stages and the screens for the eigth ‘revolutionary operas’ which she had had a hand in producing, and which were all anyone was allowed to put on. In the provinces, people did not dare to perform even these. One director had been condemned because the makeup he had put on the tortured hero of one of the operas was considered by Mme Mao to be excessive. He was thrown into prison for ‘exaggerating the hardship in the revolutionary struggle’. (in Chang’s biographical book “Wild Swans”, p. 415)

So that is how opera came to “die out” in China. When a news agency resorts to such passive language, chances are it is the work of amateurs, or of censors, artfully dodging the obvious question: how could all those operas just “die out”? Or, more to the point, who killed them? I would guess on the side of Xinhua news agency, a mixture of ignorance, self-censorship and inertia account for the absence of even a hint of background information in the article. In the case of the Foreign Policy editor who put it in the magazine’s newsletter, ignorance and laziness provide a sufficient explanation. To answer my initial question, then: it took two, one on each side of the Pacific. What a lovely division of labour this is, bringing us the best of vacuous Communist Party press releases every week. Thrilling.



Koennen Skandinavier doch nicht rechnen?

Posted by Viktor at 12:08 pm
Categories: Angry Talk, Deutschland, Economics and Business

Allmaehlich sollte ich ja mal was ueber Taipei und Taiwan schreiben, diese Farce um die Nokia-Werksschliessung in Bochum aber laesst mir einfach keine Ruhe.

So verstehe ich die Sachlage: Das Werk in Bochum ist nicht besonders profitabel, deshalb macht Nokia den Laden dicht. Sicherlich ein schwerer Schlag fuer die Arbeiter dort, aber eigentlich sollte es ja niemanden wundern, wenn Handys zusammenschrauben in Rumaenien und Ungarn billiger ist als im Ruhrgebiet.

Was steckt also dahinter, wenn Capital “interne Papiere” enthuellt, die hohe Gewinnmargen und heile Welt in Bochum ausweisen? Sicherlich eine gute Story, und jeder Redakteur haette sie veroeffentlicht. Aber warum findet sie so grosse Resonanz in den deutschen Medien?

Eigentlich gibt es nur zwei plausible Erklaerungen fuer diese “Enthuellungen”:

1. Nokia hat sich geirrt, und das Bochumer Werk ist eigentlich eine Wahnsinns-Gelddruckerei. Die ollen Skandinavier haben einfach ihre eigenen Zahlen nicht verstanden, und erst ein heldenhafter Schreiber von Capital weist ihnen den richtigen Weg. Naechste Woche tritt dann der Nokia-Vorstand schamhaft zurueck und verzichtet auf ihre Heuschreckengehaelter in Billiardenhoehe, um damit eine Lohnerhoehung von 80% (Verdi’s 8%-Forderung war gestern!) fuer die Helden der Arbeit in Bochum zu finanzieren. Guter Lohn fuer gute Arbeit!

2. Das Werk ist zwar irre profitabel, aber die Nokia-Bosse haben sich gegen deutsche Arbeiter verschworen und hielten die Zahlen daher geheim. Jetzt hat ein tapferer Investigativ-Journalist von Capital die Schweinerei aufgedeckt. Naechste Woche wird Capital dann herausfinden, dass Nokia mit fiesen angelsaesischen Hedgefonds und der CIA unter einer Decke steckt. In hoechster Not bilden daraufhin Verdi und die Linkspartei eine deutsche Notstandsregierung, verstaatlichen alles skandinavische Konzerneigentum und schreiben in die Praeambel des Grundgesetzes, dass Bochumer Arbeiter das Recht haben, fuer immer und ewig europaeische Handys zusammenzuschrauben. Amen.

Falls jemandem eine plausiblere Erklaerung hat, weshalb Nokia ein ach-so-hochprofitables Werk schliesst, waere ich ueberrascht. Natuerlich tut Nokia das auch gar nicht, und jeder gewissenhafter Redakteur konnte das sicherlich auch ohne Pressemitteilung des Konzerns vermuten.



Skandal! Shanghai ist nicht Zürich

Posted by Viktor at 5:33 pm
Categories: Angry Talk, China, Travel

Seit Online-Dienste es ihren Lesern erlauben, unmittelbar Kommentare zu einzelnen Artikeln zu verfassen, habe ich mich mehr über diese Funktion geärgert, als dass ich einen Mehrwert ausmachen konnte.Jeder Eintrag in einem der meinungsstärkeren Blogs zieht sofort eine Flut marktschreierischer Antworten nach sich. Ein Austausch der Meinungen ist dabei fast nie zu erkennen — meistens wird hemmungslos draufgeschlagen, unter kryptischem Synonym und deftig aus der eigenen ideologischen Nische heraus. Kurz, die “Kommentar”-Funktion ist die Domäne der hasserfüllten Selbstverliebten, der paranoiden Stalker, der ahnungslosen Besserwisser.

So jedenfalls dachte ich bisher. Doch es gibt Ausnahmen.

Mit Sybille Berg bietet ZEITonline mittlerweile die zweite Reisekolumnistin auf, deren Texte so sorgfältig deutsche Vorurteile bedienen, dass es einem die Sprache verschlägt (die erste ist Eva Schweitzer mit ihrer New York-Kolumne).

Frau Berg besucht also Shanghai. Freilich ist es ihr nicht so ernst damit, gleich in der Überschrift (”Shanghai ist hip”) und in den ersten Absätzen ist sie sorgfältig um ironische Distanz bemüht.

Shanghai ist ja sehr hip im Moment. Jeder, der etwas auf sich hält, weiß von tollen Hochhäusern, Fortschritt und alten Opiumpalästen zu berichten.

Und wie unangenehm! Da hat sie es gerade geschafft, dem heimatlichen Thüringen in Richtung Schweiz zu entkommen, und dann so was.

Das war die gute alte DDR, wie ich sie kannte und schon damals nicht mochte. Hässlichkeit, unmenschlich in den Himmel getürmt.

Und die Menschen erst! So ganz anders halt, als sie es aus ihrem steinreichen Zwergstaat kennt. Sybille hat gleich alles durchschaut, die Schlitzaugen, das Sytem, und überhaupt (und das alles, ohne ein Wort Mandarin zu sprechen!).

Gemeinsam formen kommunistischer Drill und buddhistische Reinkarnationslehre Menschen, denen alles egal ist. Vor allem andere Menschen.

Und die Ausländer erst:

Zwischen den Chinesen torkelt die unangenehmste Sorte westlicher Geschäftemacher. Die Leute, die man morgens in Billigfliegern sitzen sieht, mit verwaschenen Anzügen und großen Aktenkoffern. Mal eben schnell Geld machen, egal womit. Egal wo.

Verwaschene Anzüge, Billigflieger — da kann Frau Berg nur die Nase rümpfen. Sowas gibt es in der Schweiz aber nicht!
Schließlich wundert sie sich noch, warum man eigentlich nichts mehr von Falun Gong hört. Und wittert direkt die Schere im Kopf:

Liegt es daran, dass China so interessant für die Wirtschaft ist?

Ja, liegt es daran? Oder liegt es einfach daran, dass Sybille Berg über China nur das gelesen hat, was im Lonely Planet stand?

Bei so viel Albernheit viel mir kaum ein, was ich dazu noch schreiben könnte. Da kamen mir eben jene Zeit-Leser, von denen ich eben so abfällig gesprochen habe, gerade recht. Per “Kommentar”-Funktion haben sie nämlich viele kluge Antworten verfasst (hier lesen).

Allemal lesenswerter als Frau Berg Stück selbst. Ein “Karl Tilkorn” (vielleicht sogar kein Synonym?) fasst es zusammen:

Berichte von Touristenerlebnissen gibt es an vielen Stellen im Internet, von der ZEIT darf man mehr erwarten.